Stampflehm

Das Bauen mit Stampflehm hat eine lange Tradition. Bereits die alten Römer benutzten diese Technik in den Berberregionen Nordafrikas, auf der Arabischen Halbinsel sowie im Vorderen Orient.

Auch in weiten Teilen Europas wurde bis ins Mittelalter hinein mit Stampflehm gebaut; in der Neuzeit geriet das Bauen mit Lehm jedoch allmählich überall in Europa in Vergessenheit – gebrannte Ziegelsteine ersetzten die älteren Lehmmauern.

Ein wesentliches Material unseres ca. 250 Jahre alten Hauses ist Lehm. Grund genug, um uns mit diesem Baustoff näher zu beschäftigen.

Wir standen beim Umbau vor der Aufgabe, den Boden im Hausinneren neu herzurichten. Eine gegossene Estrichdecke kam für uns nicht in Frage. Also schütteten wir ca. 40 cm hoch  Glasschaumschotter in das Haus und verdichteten es mit einer Rüttelmaschine auf 30 cm. Dann legten wir eine Fliessfolie drüber und fertig war die Grundlage für unseren Stampflehm.

Die Herstellung von Stampflehm ist relativ simpel. Man benötigt Sand (Kies), Lehm und Wasser.

Der Sand sollte etwas gröber, also eine Körnung von 0,8 haben. Das bedeutet, dass die größten Steinchen max. 8 mm haben. Da es in unserer Region ein relativ hohes Lehmvorkommen gibt, holen wir den Kies und den Lehm aus dem Nachbardorf und zwar aus der Grube in Kraatz.

Die Beschaffenheit von Kies und Lehm ist je nach Region unterschiedlich. Daher gibt es auch keine konkreten Mengenangaben zur Herstellung von Stampflehm. Grundsätzlich gilt: Probieren geht über Studieren!

Stampflehm wird im Mischungsverhältnis 1 zu 6 angerührt. Das heißt: ein Anteil Lehm auf sechs Anteile Kies. In unserem Fall sind das zwei volle Eimer mit Kies.

Stampflehm

 

Den Kies in einen großen Rührbottich geben. Da das Gemisch sehr schwer wird und nicht immer weitere helfende Hände zum Transport zur Stelle sind, empfiehlt es sich, den Bottich in eine Schubkarre zu stellen und dort die Mischung herzustellen.

Stampflehm

 

Lehm muss 5 -7 Tage in Wasser aufgelöst werden und komplett durchtränkt sein. In unserem Mischungsverhältnis kommt nun 1/3 Eimer Lehm dazu, oder in unserem Fall ca. 6 Kellen.

Stampflehm

 

Nun kommt noch Wasser dazu. Hier gibt es leider nur eine Mengenangabe: nach Gefühl 🙂
Am Ende muss eine bestimmte Mischung rauskommen – siehe weiter unten.

Stampflehm

 

… köstlich schaut es aus!

Stampflehm

 

Das Gemisch wird nun mit einem Handrührer einige Minuten gequirlt. Ein Stand-Beton-Mischer eignet sich leider nicht dafür. Wir haben es ausprobiert: Der Lehm bleibt an der Innenseite kleben und vermischt sich nicht mit dem Kies.

Stampflehm

 

Die Mischung ist fertig, wenn sie ungefähr so aussieht.

Stampflehm

 

Am Ende muss das Gemisch eine Konsistenz  wie feuchtes Katzenstreu haben. Auf gar keinen Fall darf es zu nass sein, da der Lehm beim stampfen sonst wegrutscht. Also nur so viel Wasser dazugeben, wie nötig ist, um alles miteinander zu verbinden.

Stampflehm

 

Die fertige Mischung aus dem Bottich mittels einer Kelle auf dem Flies halbwegs gleichmäßig verteilen. Der Stampflehm sollte um die 15 cm hoch liegen, um dann auf etwas um die 12 cm zusammengestampft zu werden.

Stampflehm

 

Und nun kommt das wichtigste: der Stampfer!
Dieses Gerät ist Marke Eigenbau und ein Geschenk unseres Architekten. Letztlich ist es ein Kantholz mit einer quadratischen Grundfläche (etwa 10 cm). Oben bohrt man ein Loch rein und befestigt einen handelsüblichen, etwas dickeren Stiel – also gar nicht so schwer. 🙂

Stampflehm

 

Mit dem Stampfer wird das lose Sand-Kies-Gemisch nun verdichtet. Seine eigene Stampftechnik findet man schnell selbst heraus. Wir empfehlen eher mehrere leichte Stöße, also mit zu viel Kraft fest an einer Stelle zu stampfen – spart auch Kraft und geht nicht so auf die Arme.

Stampflehm

 

Um die Höhe der Fläche zu halten, sollte ab und zu mittels einer Wasserwaage geprüft werden, ob man nicht gerade eine kleine Hügellandschaft baut. Ist man an einer Stelle zu hoch, kann der Lehm mit Hilfe einer Holzlatte leicht abgetragen werden. Danach nochmal etwas nachstampfen.

Stampflehm

 

Eine alternative Verdichtungsmethode ist tanzen! Man benötigt dazu sein Eigengewicht, feste Schuhe und gute Musik. Geht auch zu mehreren…

Stampflehm


Fazit:

Stampflehm trocknet langsam und benötigt einige Wochen bis er restlich ausgetrocknet ist. Aus diesem Grund sollten Lehmarbeiten im Sommer stattfinden. Nach der Trocknung ist der Boden steinhart, kann aber bei Bedarf wieder aufgebrochen werden – ein weiterer Vorteil. Auf die Fläche werden bei uns später dann Holzdielen verlegt. Der Untergrund eignet sich aber auch für Fliesen.

Auch finanziell sind Böden aus Stampflehm eine echte Alternative zu herkömmlichen Estrichen, vorausgesetzt eine Lehmgrube ist in der Nähe. Fertige Lehmmischungen aus Säcken zu verarbeiten lohnt sich nicht.
Alles was man braucht ist Zeit, gutes Wetter und Spaß am Arbeiten mit alten vergessenen Bauweisen.
Wir sind jedenfalls begeistert!

Fragen zum Stampflehm? Einfach hier kommentieren oder eine Mail schreiben. Wir geben gern unsere Erfahrungen weiter.

5 Gedanken zu “Stampflehm

  1. was zur Mischmaschine: erst das Wasser, dann Sand, durchmischen und dann erst dem Lehm – so klebt es nicht an der Wand. Bei einer Cob Mischung für die Wände (also noch mit Stroh) optimal, für Stampflehmboden immer noch viel zu nass. Wenn ihr einen Landwirt in der Nähe habt, dann kann die Lösung ein Traktor mit Zwangsmischer sein. Die mischen oft bis zu einem Kubikmeter Material auf einmal, und können sehr trocken abmischen

  2. Hallo Sonja.
    Bitte entschuldige die späte Antwort. Da Stampflehm sehr hart wird, kann man ihn auch direkt begehen. Ich würde dies aber nur für Nebengebäude wie Stall oder Scheune empfehlen, da ohne Versiegelung die Oberfläche sich nach und nach leicht abreiben wird.

  3. Kann der Stampflehmboden auch so verarbeitet werden, dass er ohne eine weitere Schicht wie Dielen oder Fliesen genutzt werden kann?

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