Lehm ist ein jahrhundertalter Baustoff. Hier erfahrt ihr, wie man eine Lehmdecke auf altbewährte Art und Weise baut.  Lehmdecken bestehen aus einem robusten Stroh-Lehm-Gebinde und erlangen durch ein Holz-Staken-Decke eine hohe Stabilität.

Beim Umbau des Hauses fanden wir einige sehr alte Lehmdecken vor, die wir teilweise öffnen mussten. Wir sammelten den staubige Stroh-Lehm-Schutt erstmal auf einer trockenen Stelle in der Schmiede zu Wiederverwendung.

Als erstes haben wir den „Staub“ ein paar Tage in Wasser aufgelöst und mischten noch etwas neuen Lehm darunter.

Mit robusten Gummihandschuhen kneteten wir die Masse zu eine Art Brei, der sich gut verarbeiten lässt. Etwas erstaunt waren wir über den Gestank der sich beim Aufweichen bildete. Letztlich jedoch nicht verwunderlich, wurden doch seinerzeit Kuhmist in Lehmdecken verarbeitet um eine noch höhere Stabilität zu erreichen.

Die Gefache zwischen den Dachbalken haben wir mit dünnen Holzleisten geschlossen, die wir angenagelt und angeschraubt hatten. Die Leisten geben dem Stroh-Lehm-Gemisch den Halt.

Als erstes werden die unbehandelten Leisten mit einer Lehmschlämme (Lehm mit einem hohen Wasseranteil) ordentlich eingepinselt. Dies erhöht die Verbindung nachher zwischen dem Stroh-Lehm und dem Holz beim Austrocknen.

Danach wird der Lehm zwischen die Holzleisten gedrückt und gleichmäßig verteilt. Kleiner Tipp: Unter der Decke sollte jemand stehen und gegen halten. Dadurch wird das Material aufgefangen und fällt nicht durch die Leisten durch.

Im selben Arbeitsstchritt kann die zweite Person die Decke von unten glätten.

Wie bei allen Lehmarbeiten braucht es Wärme und Zeit bis das Material ausgetrocknet und ausgehärtet ist. Bei einem warmen Sommer sollten um die 3 Wochen dafür eingeplant werden.

Bis zur vollständigen Aushärtung dürfen die Gefache nicht betreten werden.

Und so sah die Decke im geschlossenen Zustand aus.

Die Decke ist nun geschlossen, sieht aber von der sichtbaren Oberfläche nicht wirklich wohnlich aus. Also haben wir eine zweite dünne Lehmschicht aufgetragen. Dazu wird als erstes der ausgehärtet Lehm leicht angefeuchtet.

Anschließend wird eine fette Lehmmasse (also deutlich höher Lehmanteil als bei den Holzleisten) auf den angefeuchteten Lehm aufgetragen.

Jetzt nicht aufgeben, wenn die Pampe einem beim Über-Kopf-Arbeiten ständig den Arm runterläuft… 🙂

Die Decke ist nun vorbereitet und kann verputzt werden. Dazu stellen wir einen Putz aus einer Lehm-Kies (Sand) Mischung her. Das Mischverhältnis bestand in unserem Fall aus 3 Anteilen Lehm und einem Anteil Kies. Der Kies sollte unbedingt eine Körnung von 0-2 mm haben (man spricht auch von „0 2 er Kies“). Dies bedeutet, dass die Steine eine maximale Größe von zwei Millimetern haben. Kies mit größerer Körnung lässt sich nur schwer ohne Furchen auftragen und streifenfrei glätten.

Der Putz wird nun liebevoll und möglichst gleichmäßig aufgetragen. Auch hier gilt: Ruhe, Geduld und Übung. Kleiner Tipp: Je weicher das Material, desto einfacher lässt es sich verarbeiten.

Mit dem Putzwerkzeug werden die Bahnen geglättet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es einfacher ist, kleinere Mengen in kleineren Abschnitten aufzutragen. Sollte der Putz im Laufe der Arbeiten zu trocken werden, ruhig Wasser dazugeben.

Zum Schluss werden die letzten Übergänge mit einer kleinen Plastikkelle verschmiert und verbunden.

Hier kann nun so lange rumgetrieben werden, bis es einem gefällt. Aber Achtung: wer zu viel reibt, löst den Putz wieder ab.

Ein Boden aus Stampflehm

Möchtest du mehr über Lehmbau erfahren? Hier zeigen wir, wie man einen Boden aus Stampflehm baut.

Heute sieht die Lehmdecke so aus.

2 Kommentare

  1. Christian

    Liebe Ramona,

    unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das Begradigen von Lehmdecken eine schwierige Sache ist. Lehmdecken sind aufgrund des verarbeiteten Strohs zusammen mit dem Lehm sehr schwer. Das ist meist auch der Grund dafür, dass sie nach vielen Jahren durchhängen. Schlimm ist das erstmal nicht, da der Großteil der Decken in sich stabil ist, natürlich sollte das immer von einem Statiker geprüft werden. Wir persönlich mögen schiefe Decken 🙂

    Ich konnte die beiden Bilder im Anhang nicht sehen, von daher fällt eine Einschätzung schwer. Löcher in Lehmdecken kann man meist jedoch sehr leicht mit neuem Stroh und Lehm stopfen und verschließen. Möglich wäre zum Beispiel eine Schalung von unten, damit das Gemisch von Lehm und Stroh nicht durchfällt.Dazu werden die Ränder des Lochs in der Decke angefeuchtet und die Stroh/Lehmmasse reingegeben. Wir haben damit ganz gut einige Löcher geschlossen.

  2. Ramona

    Hallöchen

    Ich hoffe sie können und möchten mir vielleicht weiterhelfen. Ich habe eine sehr sehr alte Lehmstrohdecke. Die musste ich leider etwas kaputt machen(da ein alter holzdeckenbalken gebrochen ist), bzw sie ist auch ziemlich schief und krumm und hängt teilweise durch.
    Nun meine Frage an Sie, ich würde gerne die wunderschöne Lehmstrohdecke sanieren. Können sie mir vielleicht sagen, wie ich es besten und am einfachsten hinbekomme? Die Löcher (riesige ) zu schließen und die Krumm und schiefe Decke zu begradigen? In der Anlage finden Sie 2 Bilder von der Decke umsich vielleicht ein besseres Bild machen zu machen.
    Über Tips, Ratschläge und Hilfe würde ich mich sehr freuen.
    Vlg Ramona

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